Beitrag zur digitalen Transformation des Rechts am SSA-Kongress 2026

Wie verändert die Digitalisierung religiöse Gemeinschaften und ihre Organisationen? Dieser Frage widmete sich unser Panel «In Motion: How Digitalization Transforms Religious Communities and Organizations» beim Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie 2026 in Fribourg. Unter dem Kongressthema «Communities and Societies in Movement» brachten wir Perspektiven aus Religionssoziologie, Kommunikationswissenschaft, Recht und Theologie zusammen.

In meinem Vortrag «Digitalization and the Dual Transformation of Law: Normative Adaptation and Communicative Change in Church Law» ging es um eine doppelte Veränderung: Die Digitalisierung stellt neue Anforderungen an die Inhalte des kirchlichen Rechts. Zugleich verändert sie, wie dieses Recht vermittelt, zugänglich gemacht und im Alltag angewendet wird.

Wenn religiöse Praxis und kirchliche Kommunikation zunehmend digital stattfinden, entstehen auch rechtliche Fragen. Wer trägt Verantwortung für digitale Angebote? Wie lassen sich Zuständigkeiten bestimmen? Und wie können kirchliche Regelungen Orientierung geben, wenn sich technische Möglichkeiten und gesellschaftliche Erwartungen rasch verändern?

Verbindliche Rechtsnormen bleiben dafür zentral. Zugleich gewinnen ergänzende Instrumente an Bedeutung: Leitlinien, Empfehlungen und andere Formen des sogenannten Soft Law können allgemeine Vorgaben konkretisieren und bei neuen Fragen Orientierung bieten. Ihr Verhältnis zum verbindlichen Recht wirft allerdings selbst Fragen auf – etwa nach ihrer Autorität und ihrer Bedeutung für die kirchliche Praxis.

Recht wird anders zugänglich

Die zweite Veränderung betrifft die Kommunikation des Rechts. Rechtsnormen entfalten ihre Wirkung auch dadurch, dass Menschen sie finden, verstehen und auf konkrete Situationen beziehen können. Digitale Zugänge verändern diese Voraussetzungen: Wie kirchliches Recht veröffentlicht, aufbereitet und erläutert wird, prägt den Umgang mit ihm.

Damit reicht die Digitalisierung des Kirchenrechts über die Anpassung einzelner Vorschriften hinaus. Sie betrifft ebenso die Wege, auf denen rechtliches Wissen innerhalb kirchlicher Organisationen zirkuliert und Orientierung vermittelt wird.

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